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Beschaffung & Vergabe

Eichenprozessionsspinner ausschreiben: Wertgrenzen, LV-Positionen, Eignungsnachweise

Diese Seite ist eine Arbeitshilfe für Vergabestellen, Bauhöfe und Grünflächenämter – keine Werbeseite. Sie finden hier die Wertgrenzen für Bayern, eine übertragbare Positionsstruktur für Ihr Leistungsverzeichnis und die Eignungskriterien, die sich in realen EPS-Verfahren bewährt haben.
  • Wertgrenzen Bayern, Stand 01.01.2026
  • Positionsstruktur nach Höhenklassen
  • Eignungs- und Zuschlagskriterien
  • Verfahren, das Sie ausschließen sollten

Schritt 1: Verfahrensweg über die Wertgrenze bestimmen

Die Wertgrenzen kommunaler Auftraggeber in Bayern beruhen auf Art. 20 des Bayerischen Wirtschaftsverwaltungsgesetzes und der Bekanntmachung des Staatsministeriums des Innern. Alle Werte gelten ohne Umsatzsteuer und je Auftrag, der an denselben Auftragnehmer vergeben wird.

Wertgrenzen für kommunale Auftraggeber in Bayern – Liefer- und Dienstleistungen
VerfahrenWertgrenze (netto)Was das praktisch bedeutet
Direktauftragbis einschließlich 100.000 €Formlose Beauftragung ohne Ausschreibung und ohne Veröffentlichung. Deckt praktisch jeden Einzelauftrag zur EPS-Bekämpfung ab.
Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerbunterhalb des EU-SchwellenwertsGrundsätzlich mindestens drei Unternehmen zur Angebotsabgabe auffordern, in begründeten Ausnahmen zwei.
Beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerbunterhalb des EU-SchwellenwertsAlternative zur Verhandlungsvergabe, wenn Sie ohne Verhandlung zuschlagen wollen.
EU-weites Verfahrenab 216.000 € (2026/2027)Relevant bei mehrjährigen Rahmenvereinbarungen über größere Baumbestände.
Kommunale Auftraggeber in Bayern können Dienstleistungen bis einschließlich 100.000 € netto als Direktauftrag vergeben – ohne Ausschreibung und ohne Veröffentlichung. Die Werte gelten je Auftrag an denselben Auftragnehmer.
Quelle: Bayerisches Staatsministerium des Innern, Übersicht Wertgrenzen kommunaler Auftraggeber (Stand 01.01.2026)

Zwei häufige Verwechslungen

Die Wertgrenze von 250.000 € gilt in Bayern für Bauleistungen, nicht für Dienstleistungen – die EPS-Bekämpfung ist eine Dienstleistung. Und die zum 1. Juli 2026 eingeführte Direktauftragsgrenze von 50.000 € aus dem Vergabebeschleunigungsgesetz gilt für den Bund; für bayerische Kommunen bleibt Landesrecht maßgeblich, das darüber liegt. Verbindlich ist immer die Dienstanweisung Ihres Hauses.

Schritt 2: Leistungsverzeichnis nach Höhenklassen gliedern

Reale Ausschreibungen rechnen die Absaugung als Einheitspreis pro Baum ab, gestaffelt nach Höhenklasse und Zugangsverfahren. Nebenleistungen werden als Pauschalpositionen geführt. Die folgende Struktur können Sie übernehmen und an Ihren Bestand anpassen.

Übertragbare Positionsstruktur – Einheiten wie in kommunalen Leistungsverzeichnissen üblich
PositionEinheitWas die Position umfasst
Absaugung Eiche, Arbeitshöhe bis 10 mStFixieren, Absaugen von Nestern und Raupen, Aufnehmen des Materials, Abdeckplane unter dem Baum
Absaugung Eiche, Arbeitshöhe 10 bis 20 mStwie vor, mit Hubarbeitsbühne
Absaugung Eiche, Arbeitshöhe 20 bis 30 mStwie vor, mit größerer Arbeitsbühne
Absaugung mittels BaumklettererStZugang per Seilklettertechnik, wenn die Krone mit Bühne nicht erreichbar ist
Zuschlag über die inkludierte Nestanzahl hinaus% bzw. StEin kommunaler Rahmenvertrag inkludierte maximal 15 Nester pro Baum; darüber prozentuale Zuschläge nach Absprache mit der Bauleitung
Entsorgung des Absaugmaterialspsch bzw. StDichte, fest verschlossene Beutel, Zuführung zur Verbrennung, Entsorgungsnachweis
Verkehrssicherung nach Regelplanpsch bzw. TagAbsicherung im Verkehrsraum, Beschilderung, Absperrung
Baustelleneinrichtung, An- und AbfahrtpschPauschal je Einsatztag oder je Einsatzort
Befallsermittlung und KontrolleStBegehung, Befallsklasse je Baum, georeferenzierte Erfassung
Dokumentation je StandortSt bzw. pschFotos vor und nach der Maßnahme, Einsatzbericht, Standortliste
Vorbeugende Behandlung je BaumSt bzw. TagessatzNur nach festgestelltem Befall, mit zugelassenen Präparaten nach den behördlichen Anwendungsbestimmungen

Sinnvoll ist es außerdem, Schätzmengen und Höchstmengen je Position anzugeben. Bei Rahmenvereinbarungen ist das nicht nur Praxis, sondern rechtlich geboten – das Volumen ist so genau wie möglich zu ermitteln und bekannt zu geben.

Bei der Bekämpfung vom Boden aus hat sich die Vergabe von Tagessätzen bewährt, weil sich die Arbeiten so vor Ort anpassen lassen.
Quelle: Land Niedersachsen und kommunale Spitzenverbände, Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners – Handreichung für die kommunale Praxis

Schritt 3: Eignungskriterien sachgerecht festlegen

Zu strenge Kriterien schließen leistungsfähige regionale Betriebe aus, zu lockere lassen unqualifizierte Anbieter zu. Diese Liste orientiert sich an dem, was öffentliche Auftraggeber in EPS-Verfahren tatsächlich gefordert haben.

Ein Landkreis forderte in seiner EPS-Ausschreibung: Sachkundenachweis nach § 9 PflSchG, Angaben zur Leistungsfähigkeit in Bäumen pro Tag, drei vergleichbare Referenzen aus den letzten drei Geschäftsjahren sowie eine Betriebshaftpflicht über 1,5 Mio. € – Zuschlag zu 100 % über den niedrigsten Preis pro Baum.
Quelle: Landkreis Prignitz, Öffentliche Ausschreibung RPA.VST.001.26/offV EU (14.01.2026)

Zwingend

  • Sachkundenachweis nach § 9 PflSchG. Der zentrale Pflichtnachweis für die berufsmäßige Anwendung von Mitteln. Prüfen Sie zusätzlich die Verwenderkategorie: Je nach Zulassung des Mittels dürfen nur sachkundige Verwender nach Anhang I Nr. 3 der Gefahrstoffverordnung oder auch berufsmäßige Verwender mit Sachkunde nach der Pflanzenschutz-Sachkundeverordnung anwenden.
  • Angaben zur Leistungsfähigkeit – etwa Bäume pro Tag und Anzahl parallel einsetzbarer Kolonnen. Sachgerecht, weil der Einsatzzeitpunkt kurzfristig nach dem Larvenstadium fällt.
  • Betriebshaftpflicht mit benannter Deckungssumme für Personen- und Sachschäden. Eine Absichtserklärung des Versicherers mit Nachweis im Auftragsfall ist üblich und mittelstandsfreundlich.
  • Nachweis der Entsorgung über eine zugelassene Verbrennung, in dichten und fest verschlossenen Behältern.

Sachgerecht, je nach Bestand

  • Seilklettertechnik SKT-A und SKT-B, wenn Ihr Bestand Kronennester aufweist, die mit Hubarbeitsbühne nicht erreichbar sind.
  • Qualifikation des eingesetzten Personals namentlich. Ein Landesbetrieb hat Namen und berufliche Qualifikationen des eingesetzten Personals als angebotsrelevant gefordert.
  • Referenzen vergleichbarer Leistungen aus den letzten drei Geschäftsjahren. Setzen Sie die Vergleichbarkeitsschwelle nicht zu hoch – ein Landkreis hat sie bei 15.000 € Auftragssumme angesetzt.
  • ZTV-Baumpflege als Vertragsgrundlage, wenn neben der Absaugung baumpflegerische Leistungen anfallen. In Bayern ist sie amtlich veröffentlicht.

Hinweis zur Marktbreite

Fordern Sie keine Qualifikation, die im Markt kaum verfügbar ist, wenn die Leistung sie nicht erfordert. Für die bodengebundene Absaugung ist der Sachkundenachweis der harte Nachweis; alles Weitere sollte zum konkreten Bestand passen. Andernfalls riskieren Sie ein Verfahren mit zu wenigen Bietern – und in der Saison ist Verfügbarkeit ohnehin der Engpass.

Schritt 4: Zuschlagskriterien – Preis allein greift zu kurz

Das Umweltbundesamt empfiehlt Kommunen, die insektizidfreie Bekämpfung als mehrjährigen Rahmenvertrag mit festen Kapazitäten auszuschreiben – und den Zuschlag nicht ausschließlich über den Preis zu erteilen.
Quelle: Stang/Schwander, Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners, UMID 2/2015 (Umweltbundesamt)

Ein Landesbetrieb hat für die EPS-Bekämpfung folgende Gewichtung gewählt: Preis 50 Prozent, technische und fachliche Leistungsfähigkeit 20 Prozent, Erfahrung mit vergleichbaren Leistungen 20 Prozent, Terminsicherheit 10 Prozent. Das ist bei einer Leistung, deren Zeitfenster sich witterungsabhängig um Wochen verschiebt, sachlich gut begründbar.

Was Sie ausdrücklich regeln sollten
RegelungspunktEmpfehlung
AbflammenAusdrücklich ausschließen. Die Brennhaare werden durch die Thermik verdriftet und der Gefährdungsbereich vergrößert.
AbrufmechanismusStandortübermittlung per E-Mail mit definierter Frist zur Abnahme. In kommunalen Rahmenverträgen sind 48 Stunden nach Bekanntgabe üblich.
PriorisierungSensible Flächen wie Schulen, Kitas, Spielplätze und Sporteinrichtungen vorrangig festlegen. Eine Priorisierung wegen eingeschränkter Verfügbarkeit von Fachunternehmen ist gerichtlich anerkannt.
Wegfall des BedarfsRegeln, was gilt, wenn der Befall witterungsbedingt ausbleibt. Ein Landkreis hat einen entschädigungslosen Verzicht des Auftragnehmers vorgesehen – das verteuert Angebote und sollte bewusst gesetzt werden.
DokumentationAls eigene Position ausschreiben, mit Angabe des geforderten Umfangs: Fotos, Standortliste, Einsatzbericht, Entsorgungsnachweis.
Vorbeugende BehandlungNur nach festgestelltem Befall vorsehen. Ohne monitoringbasierten Befallsnachweis ist eine vorbeugende Ausbringung von Biozidprodukten nicht zulässig.

Schritt 5: Zeitplan rückwärts von der Saison denken

Formelle Verfahren für die EPS-Saison laufen in der Praxis im Januar und Februar. Wer erst im Juni beschafft, konkurriert um knappe Kapazität.

ZeitraumBeschaffungsschritt
September bis NovemberBefallsermittlung des Vorjahres auswerten, Mittel für die Folgesaison anmelden
Dezember bis FebruarRahmenvereinbarung oder förmliches Verfahren – Bekanntmachung Mitte Januar, Angebotsfrist Mitte Februar ist belegte Praxis
März bis Anfang MaiKontrolle und, bei festgestelltem Befall, vorbeugende Behandlung bis zum zweiten Larvenstadium
Mai bis JuliAbsaugung ab dem dritten Larvenstadium, Akutbeschaffung per Direktauftrag
August bis SeptemberNachsorge, Restnester, Abrechnung und Bilanz für die Folgesaison

Haushaltsrechtlicher Hinweis für bayerische Gemeinden

In der vorläufigen Haushaltsführung nach Art. 69 der Bayerischen Gemeindeordnung ist es lediglich verboten, eine völlig neue Maßnahme zu beginnen. Ein im Vorjahr etatisiertes EPS-Programm läuft im Januar also weiter, ein neues nicht. Wer im Herbst Mittel anmeldet, kann im Januar starten.

Was wir Ihnen dafür liefern

Auf Anfrage erhalten Sie von uns eine an Ihren Bestand angepasste Positionsliste mit Einheitspreisen, die Sie direkt in Ihr Leistungsverzeichnis übernehmen können – zusammen mit den Eignungsnachweisen, die wir belegen können. Wir schreiben Ihre Ausschreibung nicht, aber wir ersparen Ihnen das Erfinden der Positionsstruktur.

Sagen Sie uns im Formular, ob Sie ein Angebot, eine LV-Positionsliste oder beides brauchen. Unsere Nachweise im Überblick.

Häufige Fragen von Vergabestellen

Müssen wir die EPS-Bekämpfung überhaupt ausschreiben?+

In Bayern können kommunale Auftraggeber Dienstleistungen bis einschließlich 100.000 € netto als Direktauftrag vergeben – ohne Ausschreibung und ohne Veröffentlichung. Da ein Gemeindeauftrag über einige Dutzend Bäume deutlich darunter liegt, ist eine formelle Ausschreibung häufig nicht erforderlich. Ab welcher Grenze Ihr Haus förmlich verfährt, regelt Ihre Dienstanweisung.

Nach welcher Einheit sollten wir ausschreiben?+

Für die Absaugung hat sich der Einheitspreis pro Baum durchgesetzt, gestaffelt nach Höhenklasse und Zugangsverfahren – etwa unter 10 m, 10 bis 20 m, 20 bis 30 m sowie separat für den Zugang mittels Baumkletterer. Für bodengebundene Arbeiten hat sich laut der niedersächsischen Handreichung die Vergabe von Tagessätzen bewährt, weil sich die Arbeiten so vor Ort anpassen lassen.

Warum sollten wir nicht allein über den Preis zuschlagen?+

In der Praxis erfolgt der Zuschlag oft zu 100 % über den niedrigsten Angebotspreis pro Baum. Das Umweltbundesamt empfiehlt ausdrücklich, den Zuschlag nicht ausschließlich über den Preis zu erteilen. Ein Landesbetrieb hat stattdessen gewichtet: Preis 50 Prozent, technische und fachliche Leistungsfähigkeit 20 Prozent, Erfahrung mit vergleichbaren Leistungen 20 Prozent, Terminsicherheit 10 Prozent. Bei einer Leistung, deren Einsatzzeitpunkt kurzfristig fällt, ist Terminsicherheit ein sachgerechtes Kriterium.

Welche Eignungsnachweise sind sachgerecht zu fordern?+

Der Sachkundenachweis nach § 9 Pflanzenschutzgesetz ist der zentrale Pflichtnachweis. Ein Landkreis forderte zusätzlich Angaben zur Leistungsfähigkeit in Bäumen pro Tag, drei vergleichbare Referenzen aus den letzten drei Geschäftsjahren mit Ansprechpartner, Leistungsart und Auftragssumme sowie eine Betriebshaftpflicht über 1,5 Mio. € für Personen- und Sachschäden. Bei Kronennestern ist zusätzlich der Nachweis der Seilklettertechnik sachgerecht.

Welches Verfahren sollten wir ausdrücklich ausschließen?+

Das Abflammen der Nester. Dabei werden die Brennhaare durch die entstehende Thermik verdriftet und der Gefährdungsbereich vergrößert. Das Verfahren gilt fachlich als abzulehnen; ein kommunaler Auftraggeber hat in seiner Ausschreibung ausdrücklich formuliert, dass die Variante des Nesterabbrennens nicht gewünscht ist.

Wie finden wir überhaupt geeignete Bieter?+

Neben den Vergabeportalen führt das Auftragsberatungszentrum Bayern eine kostenfreie Bieterdatenbank, über die Vergabestellen passende Unternehmen finden. Einzelne Landkreise – etwa Donau-Ries – führen zudem eigene Firmenlisten zur Eichenprozessionsspinner-Bekämpfung bei der Kreisfachberatung.

Positionsliste für Ihr Leistungsverzeichnis anfordern

Nennen Sie uns Standort, geschätzte Anzahl der Eichen und ob Kronennester vorliegen. Sie erhalten eine an Ihren Bestand angepasste Positionsstruktur mit Einheitspreisen sowie die Nachweise, die wir belegen können.

  • Positionen nach Höhenklassen und Zugangsverfahren
  • Getrennte Nebenpositionen für Verkehrssicherung und Dokumentation
  • Schätz- und Höchstmengen für Rahmenvereinbarungen
  • Rückmeldung in 24 Stunden (werktags)

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